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Die Schlacht am Grauholz Drucken E-Mail

Die Schlacht am Grauholz

 

Vorboten

13. Dezember 1797: Der bernische «Geheime Rat» erfährt vom bevorstehenden Einmarsch der Franzosen in den zur Eidgenossenschaft gehörenden Südteil des ehemaligen Bistums Basel.

15. Dezember 1797: Carl Ludwig von Erlach wird zum Kommandanten des zur «Verteidigung des Vaterlandes aufzustellenden Truppencorps» gewählt.

16. Dezember 1797: Der bernische Kriegsrat beauftragt von Erlach, darüber zu wachen, dass keine «Verteidigungs-Anstalten» getroffen werden, damit die Franzosen ihre Truppen nicht an der Grenze Berns zusammenziehen.

 

Verrat?

5. Januar 1798: Der bernische Grosse Rat beschliesst, «militärische Anstalten seien gegenwärtig nicht ratsam, weil dadurch die Furcht vor einem Krieg vermehrt werden könnte».

Februar 1798: Lange andauernde Verhandlungen zwischen dem französischen General Brune und Vertretern Berns verbreiten Unsicherheit und Unmut. Gerüchte über Verrat untergraben die Moral der Truppe.

1. März 1798: Um 22 Uhr läuft der letzte mit dem französischen General Brune ausgehandelte Waffenstillstand ab. Jetzt will von Erlach angreifen und erteilt entsprechende Befehle an die bernischen Truppen-Kommandanten. Generalstabschef Gross leitet diese Kunde unmittelbar an den in Biel stationierten französischen General Schauenburg weiter. Gleichzeitig beschliesst Gross und andere Kommandanten von Truppenteilen, dass sie von Erlachs Befehl nicht ausführen wollen und teilen dies dem Oberbefehlshaber in einem Schreiben mit. Der bernische Kriegsrat will weitere Verhandlungen abwarten und sagt den Angriff, unter Umgehung von Erlachs, bei den Divisionskommandanten ab.

2. März 1798: Die Hälfte der bernischen Armee (8000 Mann) liegt rechts der Aare und vermeidet alles, was dazu führen könnte, ins Kriegsgeschehen hineingezogen zu werden. Bei der Truppe nährt das die Überzeugung, es sei Verrat im Spiel. Die in Büren an der Aare stehenden Einheiten werden zum Schutz der Stadt Bern zurückbeordert. Dies geschieht, ohne dass der Oberbefehlshaber davon weiss.

3. März 1798: Die bernischen Einheiten sind stark zusammengeschrumpft. Auf dem befohlenen Rückzug entfernen sich viele Soldaten und Offiziere von ihren Truppen und gehen nach Hause. Von der Bevölkerung und der Truppe wird von Erlach als Verräter empfunden.

 

Kapitulation schon vor Beginn der Schlacht

4. März 1798: Die Kapitulationskommission verfasst eine Kapitulationsurkunde, die wohl unterschrieben, aber nicht veröffentlicht wird. Daneben befiehlt die Militärkommission den Wehrmännern sich ihren Kompanien anzuschliessen. Die Leute wurden also zu den Fahnen gerufen, während die Kapitulationsurkunde bereits unterschrieben war. Zivile Abgeordnete aus verschiedenen bernischen Ämtern begaben sich nach Solothurn, um General Schauenburg zu versichern, dass sie sich an einem allfälligen Kampf nicht beteiligen werden.

5. März 1798: Bei Fraubrunnen liegen vier Bataillone bernischer Truppen bereit, um die heranstürmenden Franzosen zu bekämpfen. Der Angriff der französischen Truppen bringt eine Unordnung, die sofort wieder zur Flucht benützt wird. Der innere Zusammenhalt des bernischen Heerhaufens lockert sich zusehends. Nach dem verlorenen Gefecht bei Fraubrunnen wälzt sich eine Masse demoralisierter bernischer Flüchtlinge direkt auf Erlachs Stellung im Grauholz zu. Ein erneuter Einsatz dieser Leute zum Aufbau einer sinnvollen Verteidigungslinie ist undenkbar. Von Urtenen aus greift Schauenburg frontal die Verteidigungslinie der Berner an. Er gerät in ein Sperrfeuer, schickt deshalb eine leichte Brigade und ein halbes Bataillon durch den gefrorenen Sumpf, um die Front rechts zu umgehen und den Bernern in die Flanke bzw. in den Rücken zu fallen. Das Vorhaben gelingt und die demoralisierten bernischen Einheiten werden in die Flucht geschlagen. Mit der Entscheidung im Grauholz stand trotz heroischer Einzeltaten fest, dass Schauenburg nun ungehindert in den Besitz der bereits am Vortag unterzeichneten Kapitulation gelangen konnte. Diese wurde ihm aus der Stadt überbracht.
 
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